Interview mit Alexandra Weber

23.04.2021 | Jasmin Depner

Schon mehr als ein Jahr begleitet uns die Pandemie und die damit einhergehenden drastischen Einschränkungen in der Veranstaltungsbranche. Dies bedeutet für uns alle eine große wirtschaftliche und emotionale Herausforderung. Wir fragen uns, wie hat ein Brancheninsider, wie Alexandra Weber, Sales Director MICE bei der Lindner Hotels AG, das vergangene Jahr erlebt, welche Chancen sieht sie in der Krise und wie blickt sie in die Zukunft der Branche.

Wie ist die derzeitige Situation in euren Hotels
in Bezug auf den MICE Bereich?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind unsere Hotels zum Großteil geöffnet und wir sind bereit, Gäste zu empfangen. Aufgrund der aktuellen Verordnungen können wir natürlich nur selten Veranstaltungsgäste bei uns begrüßen. Direkt zu Beginn der Pandemie haben wir umfangreiche Hygiene- und Sicherheitskonzepte entwickelt, die absolut sicheres Tagen unter Einhaltung aller Vorschriften mit genügend Abstand ermöglichen. Somit sind wir bestens auf jeden Gast vorbereitet.

Was war der härteste Moment in der Krise bislang?

Es ist schwierig, sich hier nur einen einzelnen Moment rauszusuchen. Sicher sind die Verkündigungen eines jeden Lockdowns sowie das Nicht-Verkünden von Perspektiven für unsere Branche jeweils die Momente, die uns wieder zurückwerfen und uns auch – zumindest kurzzeitig - demotivieren. Doch unsere Branche besteht ja zum Großteil aus Stehauf-Männchen und so blicken wir kurze Zeit später auch immer wieder direkt nach vorne und entwickeln neuen Möglichkeiten.

Was ist das Wichtigste, was ihr aus der Krise gelernt habt?

Flexibilität ist sicher eines der Schlagworte. Natürlich waren wir auch schon vor Beginn der Pandemie sehr flexibel und anpassungsfähig, doch gerade jetzt ist es noch wichtiger, dass wir uns stetig auf die neuen Bedürfnisse unserer Kunden einstellen und unsere Angebote und Strategien entsprechend anpassen.

Seht ihr auch Chancen?

Ja, natürlich, jede Krise birgt auch Chancen in sich. Wir sind sehr froh, dass wir bereits vor Corona in vielen Bereichen, gerade im Hinblick auf die Digitalisierung, gut aufgestellt waren. Möglichkeiten für den Online-Check In, kontaktloses Bezahlen und virtuelle Hausführungen sind z.B. Dinge, die uns jetzt einen Wettbewerbsvorteil bieten.

"Hybride Events können dabei helfen, den Teilnehmerkreis noch zu erweitern."

Alexandra Weber, Sales Director MICE / Key Accounts

Wie habt ihr euch in den vergangenen Monaten gewappnet?

Auch hier sind wir froh, dass wir nun unsere jahrelangen sehr guten Kontakte zu externen  Partnern nutzen können, um auf die z.T. neuen Bedürfnisse eingehen zu können. Was wir nicht selbst an Technik haben, liefern unsere Partner und auch die Beratung, die im Bereich hybrider Meetings so entscheidend ist, können wir in Teilen in gute Hände dieser Unternehmen legen. Entscheidend ist, dass man direkt zu Beginn einer Anfrage zu hybriden oder rein virtuellen Formaten mit dem Kunden grundsätzliche Fragen bzw. seine Ziele für das Event klärt. Davon abhängig ist dann, welche Technik zum Einsatz kommt, wieviel Platz benötigt wird und welche Kosten entstehen.

Wie siehst du die Zukunft der hybriden Meetings?

Hybride Meetings werden zukünftig ein Teil der Meeting-Industrie bleiben. Doch das Verlangen der Menschen, sich analog, also vor Ort zu treffen ist groß und viele Experten gehen davon aus, dass nach einer flächendeckenden Impfung bzw. mit Einführung verlässlicher Testverfahren der Meeting- und Eventbereich wieder aufleben wird. Die Möglichkeit, zukünftig zusätzliche Teilnehmer – gerade im Bereich der reinen Wissensvermittlung – hinzu zu schalten, wird ein oft genutztes Instrument werden. Der Networking-Aspekt und der Wunsch nach Erlebnissen ist jedoch im digitalen Raum nicht ansatzweise zu ersetzen und daher werden wieder Live-Events stattfinden.

Wie hat sich das Anfrage- & Buchungsverhalten der Kunden im Zuge der Krise gewandelt?

Der Trend zu immer kürzer werdenden Vorläufen, den wir in den letzten Jahren bereits beobachten konnten, setzt sich weiter fort. Zudem ist der aktuelle Wunsch nach flexiblen Stornierungsfristen größer denn je. Die anfangs explizit angefragten Hygiene-Konzepte werden jetzt von vielen Unternehmen schon vorausgesetzt und der Wunsch nach Mindestabstand in den Räumen wird oft geäußert, auch wenn es für den gewählten Termin ggf. noch keine Vorgabe seitens der Regierung gibt.

Sind Trend(wenden) zu erkennen? Was wird dem Kunden wichtiger und was wird sich dauerhaft ändern?

Neben den o.a. Punkten nimmt die Bedeutung des Angebots von Schnelltests und Möglichkeiten zur Nachverfolgung zu. Wir als Lindner Hotels AG haben hier bereits reagiert und bieten bereits in einigen Hotels Schnelltestungen an. Die Einführung eines Systems zur Nachverfolgung ist ebenfalls in Planung und wird zeitnah umgesetzt. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt weiterhin eine wichtige Rolle und wird von vielen Kunden und Gästen als Buchungskriterium genannt. Durch die Zertifizierung aller unserer Hotels mit dem GreenSign Siegel gehen wir auch auf diesen Trend ein und zeigen auf, in welchen Bereichen wir uns nachhaltig verhalten.

Wie kommt ihr den Kunden momentan entgegen und wo seht ihr Grenzen?

Aktuell bieten wir in allen Lindner Hotels sowie me and all hotels eine Stornierungsfrist von 7 Tagen an. Diese gilt für alle Veranstaltungen bis 30.09.2021 mit maximal 50 Teilnehmern.

Was denkst du / hoffst du, wie sich die nächsten Monate entwickeln werden?

Wie schon anfangs erwähnt, vernehmen wir von unseren Kunden und Geschäftspartnern, dass der grundsätzliche Wunsch nach persönlicher Begegnung groß ist. Entsprechend können wir auch einen ersten Anstieg der Nachfrage erkennen. Die weitere Zunahme ist stark abhängig von den weiteren Entscheidungen und der Frage, wann eine flächendeckende Impfung aller Menschen zu erwarten ist.

Lindner Hotels AG

Die Lindner Hotels AG ist ein familiengeführtes Hotelunternehmen mit Sitz in Düsseldorf, das in Europa mehr als 30 Hotels unter den Markennamen „Lindner Hotels & Resorts“ sowie „me and all hotels“ betreibt. Im Bereich digitaler Lösungen (bei der Buchung von Veranstaltungen) zählen sich die Lindner Hotels & Resorts zu den Vorreitern.

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